Kapitän Wilko Beinlich zu Gast in der 10M
Im Rahmen des GPG-Unterrichts erhielt die Klasse 10M besonderen Besuch: Kapitän Wilko Beinlich, langjähriger Nautiker und heutiger Krisenmanager am Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen, berichtete über seine Erfahrungen in der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer. Sein Vortrag trug den Titel „Seenotrettung – zwischen Humanität und Kriminalisierung“.
Bereits zu Beginn stellte Beinlich die Thematik in einen politischen und gesellschaftlichen Kontext. Er erinnerte daran, dass die Europäische Union 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und verband diesen Anspruch mit zentralen Grundwerten wie Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität. Damit schlug er eine direkte Brücke zu den im Lehrplan behandelten Themen Demokratie, Menschenrechte und europäische Werte.
Anhand seiner Einsätze auf dem Rettungsschiff „Juventa“ in den Jahren 2016 und 2017 berichtete Beinlich konkret von Rettungseinsätzen im Mittelmeer. Er schilderte, warum sich viele Menschen auf den gefährlichen Weg über das Meer machen und welche Rolle das Mittelmeer dabei als Grenze Europas spielt. Die spätere Beschlagnahmung des Schiffes zeigte anschaulich, dass die Hilfe für Menschen in Seenot politisch umstritten ist und nicht immer unterstützt wird.
Außerdem erklärte Beinlich, welche Pflichten es zur Rettung von Menschen in Seenot gibt und vor welchen rechtlichen Problemen zivile Hilfsorganisationen stehen. So konnten die Schülerinnen und Schüler nachvollziehen, wie Fragen von Recht, staatlicher Verantwortung und humanitärer Hilfe zusammenhängen.
Der Vortrag stieß bei der Klasse auf großes Interesse und hinterließ spürbare Betroffenheit. Die eindrücklichen Schilderungen machten deutlich, dass die im Unterricht behandelten Inhalte keine abstrakten Konzepte sind, sondern unmittelbare Auswirkungen auf das Leben von Menschen haben. Der Besuch leistete damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und zur reflektierten Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen.
-sg