9. Klasse in der KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart
Unsere 9. Klasse hat die KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart besucht. Im Rahmen einer eindrucksvollen und sehr lehrreichen Führung begleitete uns Norbert Wurstbauer vom Kreisbildungswerk Mühldorf am Inn e. V. durch einen Ort, der die Schrecken des Nationalsozialismus auf bedrückende Weise sichtbar macht.
Zu Beginn besichtigten wir die noch erhaltenen Bunkerbögen. Unter insgesamt zwölf gewaltigen Bunkeranlagen sollte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Produktion von Düsenflugzeugen stattfinden – ein Vorhaben, das jedoch nie verwirklicht wurde. Während der nur etwa neun Monate dauernden Bauzeit mussten zwischen 8.000 und 9.000 KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Mehr als 3.000 von ihnen überlebten diese Zeit nicht. Besonders erschütternd war die Information, dass die durchschnittliche Lebenszeit eines Häftlings laut Wurstbauer lediglich etwa 80 Tage betrug.
Anschaulich erklärte er uns die Bauweise und Konstruktion der Bunkerbögen. Sieben der zwölf geplanten Bögen waren bereits fertiggestellt, bevor der Krieg endete. Anschließend wurden sie von den amerikanischen Streitkräften mit insgesamt 120 Tonnen Sprengstoff gesprengt. Der heute noch erhaltene Bogen vermittelt eine Vorstellung von dem gewaltigen Ausmaß der Anlage.
Im Anschluss führte uns der Weg zum ehemaligen Waldlager. Dort lebten die Häftlinge unter katastrophalen Bedingungen und mussten sich täglich zum Appell versammeln. Den etwa 30-minütigen Fußweg zwischen Lager und Baustelle legten sie Tag für Tag zurück – trotz Hunger, Erschöpfung, Krankheiten und Verletzungen.
Der Besuch hat uns tief bewegt. Er machte deutlich, welches Leid Menschen an diesem Ort erfahren mussten und führte uns vor Augen, wie wertvoll Frieden, Freiheit und Menschenwürde sind. Gleichzeitig wurde uns bewusst, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur an weit entfernten Orten geschahen, sondern direkt hier in unserer Region.
Die Exkursion war ein wichtiger Beitrag zur historisch-politischen Bildung. Sie erinnert uns daran, Verantwortung zu übernehmen, die Vergangenheit nicht zu vergessen und uns auch heute für Demokratie, Menschenrechte und ein respektvolles Miteinander einzusetzen.
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Wurstbauer für die eindrucksvolle und informative Führung, die uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.
-jh